Übergewicht: Ein unterschätzter Risikofaktor für Krebs

Übergewicht und Adipositas gelten bereits als Risikofaktoren für verschiedene Krebsarten. Eine neue Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)* deutet jedoch darauf hin, dass ihr Einfluss bislang deutlich unterschätzt wurde.

Der Studie zufolge könnten mehr als jeder zehnte Krebsfall (11,5 %) mit Übergewicht in Zusammenhang stehen – und damit mehr als doppelt so viele wie nach den bisherigen Schätzungen (5,5 %). Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts für die Krebsprävention.

22 Juli 2026
Surpoids et cancer

Warum könnte das Risiko höher sein?

Bisher stützten sich die meisten Studien vor allem auf den Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert gibt jedoch nicht immer zuverlässig Auskunft über den tatsächlichen Körperfettanteil oder dessen Verteilung.

Die Forschenden des DKFZ analysierten die Daten von mehr als 450.000 Erwachsenen und berücksichtigten dabei zusätzlich den Taillenumfang sowie das Taille-Hüft-Verhältnis – Messgrößen, die das Bauchfett besser widerspiegeln. Ihre Ergebnisse zeigen, dass sich das Krebsrisiko mithilfe dieser Parameter genauer einschätzen lässt als allein anhand des BMI.

Wussten Sie schon?

Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis ermöglichen eine genauere Einschätzung des Krebsrisikos als der BMI allein.

Bauchfett ist besonders problematisch

Das Fettgewebe rund um die Bauchorgane, das sogenannte viszerale Fett, ist besonders stoffwechselaktiv. Es begünstigt unter anderem chronische Entzündungen sowie hormonelle Veränderungen, die zur Entstehung bestimmter Krebsarten beitragen können.

Daher kann auch eine Person mit einem normalen BMI eine erhebliche Menge an Bauchfett aufweisen und dadurch ein erhöhtes Krebsrisiko haben.

Ergänzend zum BMI ist der Taillenumfang ein einfacher Indikator zur Abschätzung des Bauchfetts. Nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Taillenumfang von mehr als 88 cm bei Frauen und mehr als 102 cm bei Männern als mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden**.

Eine wichtige Botschaft für die Prävention

Diese Studie erweitert die bisherigen Erkenntnisse und bestätigt, dass Übergewicht und Adipositas das Risiko für 13 Krebsarten erhöhen***. Dazu gehören unter anderem Darmkrebs, Brustkrebs nach den Wechseljahren, Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nierenkrebs und Endometriumkarzinom.

Auch wenn nicht alle Menschen mit Übergewicht an Krebs erkranken werden, ist ein gesundes Körpergewicht ein wichtiger Faktor, um das Krebsrisiko zu senken. In Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität sowie dem Verzicht auf Tabak und Alkohol stellt es eine wesentliche Grundlage der Krebsprävention dar.

Maßnahmen zur Senkung des Krebsrisikos

Weitere Informationen finden Sie in den 14 Empfehlungen des Europäischen Kodex gegen Krebs.

Zu den 14 Empfehlungen

Quellen: 

*Luna Kiran Adhikari; Fatemeh Safizadeh; Marko Mandic; Hermann Brenner: Excess Weight May Account for More than Ten Percent of all Cancers: The Underestimated Impact of the Obesity Epidemic.
Cancer Communications 2026, DOI: 10.34133/cancomm.0040

**Bohmann P, Stein MJ, Amadou A, Baurecht H, Fervers B, Fontvielle E, et al.
WHO guidelines on waist circumference and physical activity and their joint association with cancer risk

***Body Fatness and Cancer – Viewpoint of the IARC Working Group. New England Journal of Medicine. 2016;375(8):794-798. DOI : 10.1056/NEJMsr1606602

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Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung

Der Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung ist eine Initiative der Europäischen Kommission, die vom Internationalen Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurde. Er hat zum Ziel, die Menschen über Maßnahmen zu informieren, die sie für sich selbst oder ihre Familie ergreifen können, um ihr Krebsrisiko zu senken.