Photo: Das Forschungsteam um Dr. Zsuzsa Andrea Bodgal am Centre François Baclesse
Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die fünfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen*. Im Rahmen der Behandlung wird das Becken häufig bestrahlt – entweder durch eine externe Strahlentherapie oder eine vaginale Brachytherapie (innere Strahlentherapie). Die Bestrahlung ist zwar sehr wirksam, kann jedoch langfristige Folgen verursachen. Scheidentrockenheit, Fibrosen oder eine Verengung der Vagina sind keine Seltenheit: Studien zufolge sind mehr als die Hälfte aller Patientinnen betroffen. Zudem beeinträchtigt die Bestrahlung die natürliche Vaginalflora und kann die Funktion der Eierstöcke einschränken. Dadurch sinkt dir Produktion weiblicher Hormone, was die vaginale Trockenheit zusätzlich verstärkt.
Am Centre François Baclesse arbeitet Dr. Zsuzsa Andrea Bodgal mit ihrem Team an einem neuen Therapieansatz, um diese Beschwerden zu lindern. „Es gibt bereits Behandlungen mit vielversprechenden Ergebnissen, wie die vaginale CO₂-Lasertherapie zur Regeneration der Scheidenschleimhaut oder Hyaluronsäure gegen Trockenheit und für mehr Elastizität. Bei vielen Patientinnen reichen diese Therapien jedoch nicht aus”, sagt sie.
Durch die Bestrahlung kann sich das Scheidengewebe entzünden und vernarben. Dadurch entstehen Beschwerden wie Spannungsgefühl, Juckreiz, wiederkehrende Infektionen sowie Schmerzen oder Unbehagen beim Sitzen, Radfahren oder Laufen. Häufig ist auch schmerzfreier Geschlechtsverkehr nicht mehr möglich. „Viele Patientinnen leiden darunter, sprechen diese Probleme aus Scham jedoch nicht an”, erklärt Peggy Henrotte, Leiterin der Pflege am Centre François Baclesse. „Mit dieser Studie möchten wir den betroffenen Frauen ein Stück Lebensqualität zurückgeben.”
Ziel ist es, betroffenen Frauen Lebensqualität zurückzugeben
Die Studie kombiniert zwei Therapieansätze, die einzeln bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben. Beim PRP-Verfahren wird plättchenreiches Plasma aus dem Eigenblut der Patientinnen gewonnen. Die darin enthaltenen Wachstumsfaktoren können Heilungs- und Regenerationsprozesse fördern. Das gewonnene Plasma wird mit Hyaluronsäure kombiniert und gezielt in das betroffene Gewebe injiziert, um Heilung, Feuchtigkeit und Elastizität zu verbessern.
Die Rekrutierung der Teilnehmerinnen soll gegen Ende dieses Jahres beginnen. Die Studie richtet sich an Frauen nach einer Bestrahlung des Beckens – nicht nur bei Gebärmutterhalskrebs, sondern auch nach der Behandlung von Anal- oder Rektumkarzinomen sowie bestrahlten Leistenlymphknoten. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine vollständige Remission; die erste Behandlung erfolgt frühestens ein Jahr nach Abschluss der Strahlentherapie. Über neun Monate erhalten die Teilnehmerinnen insgesamt vier Injektionen. Zunächst sollen Sicherheit und Verträglichkeit der Behandlung untersucht werden. Ein weiteres Ziel ist es zu prüfen, ob sich die durch die Bestrahlung verursachten Beschwerden nachhaltig verbessern lassen.
Erweist sich die Kombination aus PRP und Hyaluronsäure als sicher und wirksam, könnte sie die Grundlage für weitere klinische Studien bilden und langfristig die Lebensqualität betroffener Frauen deutlich verbessern.
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