Spätfolgen von Gebärmutterhalskrebs: Viel Tabu und neue Hoffnung

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die fünfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen*. Im Rahmen der Behandlung wird das Becken häufig bestrahlt – entweder durch eine externe Strahlentherapie oder eine vaginale Brachytherapie (innere Strahlentherapie). Die Bestrahlung ist zwar sehr wirksam, kann jedoch langfristige Folgen verursachen. Scheidentrockenheit, Fibrosen oder eine Verengung der Vagina sind keine Seltenheit: Studien zufolge sind mehr als die Hälfte aller Patientinnen betroffen. Zudem beeinträchtigt die Bestrahlung die natürliche Vaginalflora und kann die Funktion der Eierstöcke einschränken. Dadurch sinkt dir Produktion weiblicher Hormone, was die vaginale Trockenheit zusätzlich verstärkt.

27 August 2026
Améliorer la qualité de vie des femmes après une radiothérapie

Am Centre François Baclesse arbeitet Dr. Zsuzsa Andrea Bodgal mit ihrem Team an einem neuen Therapieansatz, um diese Beschwerden zu lindern. „Es gibt bereits Behandlungen mit vielversprechenden Ergebnissen, wie die vaginale CO₂-Lasertherapie zur Regeneration der Scheidenschleimhaut oder Hyaluronsäure gegen Trockenheit und für mehr Elastizität. Bei vielen Patientinnen reichen diese Therapien jedoch nicht aus”, sagt sie.

Durch die Bestrahlung kann sich das Scheidengewebe entzünden und vernarben. Dadurch entstehen Beschwerden wie Spannungsgefühl, Juckreiz, wiederkehrende Infektionen sowie Schmerzen oder Unbehagen beim Sitzen, Radfahren oder Laufen. Häufig ist auch schmerzfreier Geschlechtsverkehr nicht mehr möglich. „Viele Patientinnen leiden darunter, sprechen diese Probleme aus Scham jedoch nicht an”, erklärt Peggy Henrotte, Leiterin der Pflege am Centre François Baclesse. „Mit dieser Studie möchten wir den betroffenen Frauen ein Stück Lebensqualität zurückgeben.”

Mehr als jede zweite Patientin entwickelt Spätfolgen nach Beckenbestrahlung

Frauen nach einer Bestrahlung des Beckens leiden häufig unter Scheidentrockenheit, Vernarbungen und Schmerzen, die ihre Lebensqualität und Sexualität stark beeinträchtigen.

Die Studie SAFE-PRHA untersucht erstmals die Sicherheit einer Kombination aus plättchenreichem Plasma (PRP) und Hyaluronsäure zur Regeneration des geschädigten Gewebes.

 

Die Studie kombiniert zwei Therapieansätze, die einzeln bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt haben. Beim PRP-Verfahren wird plättchenreiches Plasma aus dem Eigenblut der Patientinnen gewonnen. Die darin enthaltenen Wachstumsfaktoren können Heilungs- und Regenerationsprozesse fördern. Das gewonnene Plasma wird mit Hyaluronsäure kombiniert und gezielt in das betroffene Gewebe injiziert, um Heilung, Feuchtigkeit und Elastizität zu verbessern.

Die Rekrutierung der Teilnehmerinnen soll gegen Ende dieses Jahres beginnen. Die Studie richtet sich an Frauen nach einer Bestrahlung des Beckens – nicht nur bei Gebärmutterhalskrebs, sondern auch nach der Behandlung von Anal- oder Rektumkarzinomen sowie bestrahlten Leistenlymphknoten. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine vollständige Remission; die erste Behandlung erfolgt frühestens ein Jahr nach Abschluss der Strahlentherapie. Über neun Monate erhalten die Teilnehmerinnen insgesamt vier Injektionen. Zunächst sollen Sicherheit und Verträglichkeit der Behandlung untersucht werden. Ein weiteres Ziel ist es zu prüfen, ob sich die durch die Bestrahlung verursachten Beschwerden nachhaltig verbessern lassen. 

Erweist sich die Kombination aus PRP und Hyaluronsäure als sicher und wirksam, könnte sie die Grundlage für weitere klinische Studien bilden und langfristig die Lebensqualität betroffener Frauen deutlich verbessern.
 

„Es gibt bereits Behandlungen mit vielversprechenden Ergebnissen. Bei vielen Patientinnen reichen diese Therapien jedoch nicht aus. Mit SAFE-PRHA möchten wir einen neuen Ansatz prüfen, um die Regeneration des geschädigten Gewebes zu fördern.“

Dr Zsuzsa Andrea Bodgal

Das Forschungsprojekt SAFE-PRHA wird von der Fondation Cancer mit 140.219 € gefördert

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