Autonomie der Familie aufrechterhalten
Die Familienhilfe deckt ein sehr breites Spektrum ab, wie Ernest Agovic von Arcus erklärt: „Die Familienhilfe unterstützt bei Alltäglichem, also zum Beispiel Wäschewaschen, Putzen, Kochen, Einkaufen, aber auch bei Transport oder Kinderbetreuung.” Der Aufgabenbereich hat jedoch klare Grenzen: Es werden nur alltägliche Aufgaben übernommen, keine strukturellen. „Wir sind keine Umkrempler”, sagt Ernest Agovic. Vielmehr gehe es darum, sich an den Rhythmus, die Bedürfnisse und die familieneigenen Systeme im Haushalt anzupassen. Die größte Herausforderung bestehe darin, die Familie so gut wie möglich zu unterstützen, ohne dabei ihre Autonomie zu verletzen. Dafür sei Kommunikation enorm wichtig: Bevor die Familienhilfe loslegt, wird zunächst ein Gespräch organisiert, in dem die Familie ihre Notstellen und Bedürfnisse klar benennt, damit ein Aufgabenbereich definiert werden kann.
Alle an Krebs erkrankten Personen, die in Luxemburg wohnhaft sind, ein Kind unter 13 Jahren haben und sich derzeit in einer onkologischen Behandlung befinden, können den kostenlosen Familienhilfedienst in Anspruch nehmen.
Die Unterstützung ist auf drei aufeinanderfolgende Monate begrenzt und umfasst maximal 10 Stunden pro Woche.
Familienhilfe entlastet dort, wo der Alltag zur Belastung wird
„Die Familienhilfe kommt in eine Familie, die in einer Notsituation steckt – das ist auch für die Hilfe selbst nicht einfach”, sagt Ernest Agovic. „Die Familienhilfe kann keine Therapie ersetzen, aber es entwickelt sich oft eine emotionale Nähe zwischen der Familie und ihrer Unterstützung. Häufig bringt die Familienhilfe von außen eine positive Stimmung mit ins Zuhause, was die Dynamik verändern kann.” Trotzdem sei es wichtig, auch Abstand zu wahren: „Ich spreche lieber von professioneller Nähe als von Distanz”, erklärt Ernest Agovic.
„Eine enorme Entlastung”
Die Nachfrage in Luxemburg wächst rasant. Im Juni 2026 gab es mit 44 Aufträgen bereits fast so viele wie im gesamten Jahr 2025. Einer dieser Fälle ist Cynthia Guillaume. Die Mutter von zwei Kleinkindern wandte sich nach ihrer Krebsdiagnose an die Fondation Cancer, um eine Familienhilfe in Anspruch zu nehmen. „Anfangs war es schon etwas ungewohnt, eine fremde Person im Haus zu haben. Wir haben natürlich unser eigenes System, und es fiel mir anfangs schwer, Kontrolle abzugeben. Aber es war eine enorme Entlastung für mich und meinen Mann.” Die Familienhilfe habe ihr Freiräume geschaffen, damit sie sich auf sich selbst konzentrieren kann. „In dieser Situation ist es wichtig, auch einmal nicht an Wäsche oder Einkaufslisten denken zu müssen. Selbst wenn der Partner das übernimmt, belastet es einen, weil man ihm gegenüber womöglich Schuldgefühle hat. Bei der Haushaltshilfe ist das anders”, erklärt die Familienmutter. Auch deshalb hat sie sich entschlossen, nach einer kurzen Pause erneut die Unterstützung durch eine Familienhilfe in Anspruch zu nehmen.